Knoblauch gehört in die Küche. So weit, so eindeutig. Doch seit Jahrhunderten landet die kleine Knolle nicht nur in Suppen, Soßen und Pfannengerichten, sondern auch in der Hausapotheke. Bei Erkältungen soll Knoblauch helfen, das Immunsystem unterstützen, den Kreislauf in Schwung halten und sogar gegen allerlei Hautprobleme zum Einsatz kommen.
Manche schwören auf eine rohe Knoblauchzehe am Tag, andere mischen Knoblauch mit Honig oder bereiten daraus einen Tee zu. Und dann gibt es noch Hausmittel, bei denen man sich durchaus fragen darf, wer wohl als Erster auf diese Idee gekommen ist. Dazu gehört die rohe Knoblauchzehe im Nasenloch.
Aber was davon ist sinnvoll? Was ist traditionelle Anwendung, was wurde tatsächlich wissenschaftlich untersucht und wovon solltest du besser die Finger lassen?
Schauen wir uns den Knoblauch einmal nicht als Gewürz, sondern als Hausmittel an.
Warum wird Knoblauch seit Jahrhunderten als Hausmittel verwendet?
Knoblauch ist keineswegs eine moderne Entdeckung der Naturheilkunde. Die Pflanze wird seit Jahrtausenden angebaut und nicht nur als Nahrungsmittel verwendet.
Historische Schriften aus verschiedenen Kulturen beschreiben Knoblauch im Zusammenhang mit unterschiedlichen gesundheitlichen Beschwerden. Das National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH) verweist beispielsweise auf historische Aufzeichnungen aus Ägypten, Griechenland und Indien.
Auch heute beschäftigt sich die Forschung mit Knoblauch und seinen Inhaltsstoffen.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) führt die Knoblauchzwiebel unter dem botanischen Namen Allium sativum L. als pflanzlichen Arzneistoff. Zu den dort genannten therapeutischen Bereichen gehören Erkältungen sowie Kreislaufbeschwerden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes traditionelle Knoblauch-Hausmittel automatisch medizinisch wirksam ist.
Eine jahrhundertelange Anwendung kann interessant sein. Sie ersetzt aber keinen wissenschaftlichen Nachweis.
Was macht Knoblauch als Hausmittel so interessant?
Wer schon einmal eine Knoblauchzehe zerdrückt hat, weiß zumindest eines: In dieser Knolle passiert etwas.
Eine unversehrte Zehe riecht harmlos. Sobald du sie anschneidest, hackst oder durch eine Knoblauchpresse schickst, ist Zurückhaltung vorbei.
Dafür sind schwefelhaltige Verbindungen verantwortlich.
Alliin, Alliinase und Allicin
Einer der bekanntesten Inhaltsstoffe des Knoblauchs ist Alliin. In einer unbeschädigten Knoblauchzehe sind Alliin und das Enzym Alliinase voneinander getrennt.
Schneidest oder zerdrückst du die Zehe, werden Pflanzenzellen zerstört. Dadurch kommen beide miteinander in Kontakt. Über enzymatische Reaktionen entsteht unter anderem Allicin.
Allicin ist ausgesprochen reaktionsfreudig und nicht besonders stabil. Daraus können wiederum weitere schwefelhaltige Verbindungen entstehen.
Deshalb lässt sich „die Wirkung von Knoblauch“ auch nicht einfach einem einzigen Stoff zuschreiben.
Ist Allicin für die Wirkung von Knoblauch verantwortlich?
Allicin gehört zu den besonders intensiv untersuchten Knoblauchbestandteilen. In Laboruntersuchungen wurden unter anderem antimikrobielle Eigenschaften beobachtet.
Das klingt zunächst beeindruckend. Daraus wird allerdings gelegentlich die Behauptung gemacht, Knoblauch sei ein „natürliches Antibiotikum“.
Ein Stoff kann im Labor das Wachstum bestimmter Mikroorganismen beeinflussen. Das bedeutet noch lange nicht, dass eine gegessene Knoblauchzehe eine bakterielle Infektion im menschlichen Körper behandeln kann.
Knoblauch ersetzt deshalb kein ärztlich verordnetes Antibiotikum.
Wofür wird Knoblauch als Hausmittel verwendet?
Die Liste traditioneller Anwendungen ist erstaunlich lang. Besonders häufig begegnet dir Knoblauch im Zusammenhang mit:
- Erkältung, Husten und Schnupfen
- Immunsystem
- Blutdruck und Kreislauf
- Cholesterinspiegel
- Verdauung
- Warzen
- Fuß- und Nagelpilz
- Pickeln und anderen Hautproblemen
Hinzu kommen verschiedene Zubereitungen wie Knoblauch mit Honig, Knoblauchtee, Knoblauchmilch, Knoblauchöl oder die bekannte Knoblauch-Zitronen-Mischung.
Das Entscheidende ist jedoch: Die wissenschaftliche Datenlage ist nicht bei allen Anwendungen gleich.
Knoblauch bei Erkältung – ein Klassiker unter den Hausmitteln
Sobald die Erkältungszeit beginnt, taucht Knoblauch regelmäßig in den Hausmittel-Empfehlungen auf.
Mal soll eine rohe Zehe gegessen werden, mal landet Knoblauch zusammen mit Honig auf dem Löffel. Es gibt Knoblauchtee, Knoblauchmilch und diverse andere Rezepte.
Die traditionelle Verwendung ist so etabliert, dass auch die EMA Knoblauch dem Bereich Husten und Erkältung zuordnet.
Trotzdem ist die wissenschaftliche Datenlage überraschend dünn.
Es gibt nur wenige klinische Untersuchungen dazu, ob Knoblauch Erkältungen tatsächlich verhindern oder deren Verlauf beeinflussen kann. Deshalb lässt sich derzeit nicht zuverlässig sagen, dass eine tägliche Knoblauchzehe Erkältungen verhindert.
Du musst während einer Erkältung trotzdem nicht auf Knoblauch verzichten. Wenn du ihn verträgst, kannst du ihn ganz normal in deine Ernährung einbauen.
Nur solltest du von einer Knoblauchzehe keine Wunder erwarten.
Mehr dazu findest du in unserem ausführlichen Artikel „Knoblauch bei Erkältung: Was kann das alte Hausmittel wirklich?“
Stärkt Knoblauch das Immunsystem?
Kaum ein Lebensmittel kommt heutzutage ohne das Versprechen aus, irgendwie das Immunsystem zu „stärken“. Bei Knoblauch begegnet dir diese Aussage besonders häufig.
Auch Nahrungsergänzungsmittel mit Knoblauch werden mit diesem Thema in Verbindung gebracht.
Die Forschung liefert bislang jedoch keine überzeugende Grundlage für große Versprechen. Nach Angaben des NCCIH gibt es nur wenige Untersuchungen zu Knoblauchpräparaten und Immunfunktion beziehungsweise Erkältungen.
Das bedeutet nicht, dass Knoblauch ein schlechtes Lebensmittel wäre. Ganz im Gegenteil: Eine gesunde Ernährung, zu der auch Knoblauch gehören kann, wird das Immunsystem unterstützen.
Es bedeutet lediglich, dass zwischen „Knoblauch enthält interessante Pflanzenstoffe“ und „Knoblauch stärkt nachweislich dein Immunsystem“ ein ziemlich großer Unterschied besteht.
Kann Knoblauch den Blutdruck senken?
Hier wird es wissenschaftlich interessanter.
Knoblauchpräparate wurden in mehreren Untersuchungen hinsichtlich ihrer Wirkung auf den Blutdruck untersucht. Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Knoblauchzubereitungen bei Menschen mit Bluthochdruck eine geringe blutdrucksenkende Wirkung haben können.
Allerdings sind viele der Untersuchungen klein oder weisen methodische Einschränkungen auf.
Außerdem gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen einem untersuchten Knoblauchpräparat und dem Knoblauch aus deinem Garten.
Wenn in einer Studie beispielsweise ein standardisierter Extrakt in einer bestimmten Dosierung verwendet wird, kannst du daraus nicht schließen:
„Dann esse ich eben zwei Zehen am Tag und mein Blutdruck sinkt.“
So funktioniert die Übertragung wissenschaftlicher Studienergebnisse leider nicht.
Und vor allem sollte Knoblauch eine medizinisch notwendige Behandlung von Bluthochdruck nicht ersetzen.
Knoblauch und Cholesterin – was ist dran?
Auch die Auswirkungen von Knoblauch auf die Blutfettwerte wurden vergleichsweise häufig untersucht.
Hier gibt es Hinweise darauf, dass Knoblauchpräparate bei Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten Gesamtcholesterin und teilweise LDL-Cholesterin in geringem Umfang reduzieren können.
Die beobachteten Effekte sind allerdings wesentlich kleiner als die von cholesterinsenkenden Medikamenten.
Auch hier gilt außerdem: Knoblauch ist nicht gleich Knoblauch.
Frische Zehen, Knoblauchpulver, Ölmazerate, gereifte Extrakte und andere Präparate unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung. Ein Ergebnis für ein bestimmtes Präparat lässt sich deshalb nicht automatisch auf jede andere Form übertragen.
Wenn du Knoblauch gerne isst, spricht vieles dafür, ihn als Bestandteil einer abwechslungsreichen Ernährung zu betrachten. Eine notwendige Behandlung erhöhter Cholesterinwerte sollte er dagegen nicht eigenmächtig ersetzen.
Ist Knoblauch gut für Magen und Darm?
Bei diesem Thema gehen Theorie und Alltag manchmal getrennte Wege.
Knoblauch wurde traditionell auch bei verschiedenen Verdauungsbeschwerden verwendet. Gleichzeitig kennen viele Knoblauchliebhaber die andere Seite der Medaille ziemlich gut.
Knoblauch kann nämlich selbst Beschwerden verursachen.
Dazu gehören unter anderem Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit oder Sodbrennen. Besonders roher Knoblauch kann empfindlichen Menschen ordentlich zu schaffen machen.
Wenn dein Bauch nach einer großen Portion Knoblauch rebelliert, musst du dich also nicht tapfer durch eine weitere rohe Zehe kämpfen, weil sie angeblich gesund ist.
Ein Hausmittel, das dir Beschwerden bereitet, ist für dich kein besonders gutes Hausmittel.
Knoblauch auf der Haut – hier ist Vorsicht angesagt
Jetzt kommen wir zu einem Bereich, bei dem aus einem harmlos klingenden Hausmittel ein echtes Problem werden kann.
Im Internet kursieren zahlreiche Tipps, bei denen frischer Knoblauch direkt auf die Haut gelegt wird.
Knoblauch gegen Warzen
Ein bekanntes Hausmittel besteht darin, eine angeschnittene oder zerdrückte Knoblauchzehe auf eine Warze zu legen und teilweise sogar mit einem Pflaster oder Verband zu befestigen.
Davon ist abzuraten.
Knoblauch gegen Fußpilz und Nagelpilz
Gegen Pilzerkrankungen wird Knoblauch immer wieder empfohlen. Häufig basiert die Begründung auf antimikrobiellen beziehungsweise antimykotischen Effekten, die unter Laborbedingungen untersucht wurden.
Eine Pilzkultur im Labor ist aber keine menschliche Haut.
Eine diagnostizierte Pilzerkrankung solltest du deshalb nicht auf eigene Faust mit rohem Knoblauch behandeln.
Knoblauch gegen Pickel
Auch Pickel werden gelegentlich mit angeschnittenen Knoblauchzehen eingerieben.
Keine gute Idee.
Frischer roher Knoblauch kann die Haut stark reizen. In medizinischen Berichten sind sogar chemische Verbrennungen durch äußerlich angewendeten Knoblauch dokumentiert.
Besonders problematisch kann es werden, wenn zerdrückter Knoblauch längere Zeit auf der Haut bleibt oder unter einem Verband abgedeckt wird.
„Natürlich“ bedeutet eben nicht automatisch „sanft“.
Welche traditionellen Knoblauch-Hausmittel gibt es?
Zwischen sinnvoller Verwendung als Lebensmittel und fragwürdigen Anwendungen auf der Haut gibt es noch eine ganze Reihe klassischer Knoblauch-Hausmittel.
Knoblauch mit Honig
Knoblauch und Honig werden traditionell vor allem während der Erkältungszeit kombiniert. Dazu wird frischer Knoblauch beispielsweise fein gehackt und mit Honig vermischt.
Für Honig gibt es tatsächlich Hinweise auf eine lindernde Wirkung bei akutem Husten. Daraus folgt allerdings nicht automatisch, dass die Kombination mit Knoblauch eine Erkältung behandelt.
Wichtig: Honig gehört wegen des Risikos eines Säuglingsbotulismus nicht in die Ernährung von Kindern unter einem Jahr.
Knoblauchtee
Für Knoblauchtee wird zerdrückter oder geschnittener Knoblauch mit heißem Wasser übergossen. Häufig kommen zusätzlich Zitrone oder Honig hinein.
Als warmes Getränk kann das während einer Erkältung durchaus angenehm sein.
Ob du geschmacklich ein begeisterter Anhänger von Knoblauchtee wirst, ist eine andere Frage.
Knoblauchmilch
Auch Knoblauchmilch gehört zu den traditionellen Hausmitteln. Dabei werden Knoblauch und Milch miteinander kombiniert, manchmal zusätzlich mit Honig.
Eine überzeugend belegte besondere Heilwirkung dieser Mischung gibt es nicht.
Knoblauch-Zitronen-Kur
Knoblauch und Zitrone werden gerne als sogenannte „Kur“ angeboten. Im Internet werden dazu teilweise ziemlich weitreichende Versprechen gemacht – von gereinigten Gefäßen bis hin zur Verjüngung des Körpers.
Solche Aussagen solltest du mit einer ordentlichen Portion Skepsis betrachten.
Weder Knoblauch noch Zitrone putzen deine Blutgefäße wie ein Flaschenreiniger.
Knoblauchöl
Knoblauchöl eignet sich wunderbar zum Würzen von Speisen. Bei selbst hergestelltem Öl mit frischem Knoblauch ist allerdings die Lebensmittelsicherheit wichtig.
Frisches Pflanzenmaterial in Öl schafft sauerstoffarme Bedingungen, unter denen bei falscher Herstellung und Lagerung ein Botulismusrisiko entstehen kann. Selbst gemachtes Knoblauchöl sollte deshalb nicht einfach wochenlang bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden.
Das Thema verdient einen eigenen Artikel, denn viele verbreitete Rezepte gehen mit der Haltbarkeit erstaunlich sorglos um.
Roher oder gekochter Knoblauch – was ist besser?
Wenn es um Allicin geht, ist frischer Knoblauch besonders interessant.
Allicin entsteht erst nach einer Verletzung der Pflanzenzellen. Deshalb macht es einen Unterschied, ob du eine ganze Knoblauchzehe schluckst oder sie zunächst zerdrückst beziehungsweise hackst.
Auch Wärme beeinflusst die beteiligten Enzyme und Inhaltsstoffe.
Daraus folgt aber nicht, dass du Knoblauch grundsätzlich roh essen musst.
Gekochter Knoblauch bleibt ein Lebensmittel mit verschiedenen Inhaltsstoffen und lässt sich von vielen Menschen wesentlich besser vertragen. Außerdem isst du Knoblauch vermutlich häufiger, wenn er dir schmeckt.
Und das ist im Alltag mehr wert als ein theoretisch perfektes Hausmittel, das du nur mit zugehaltener Nase herunterbekommst.
Wie viel Knoblauch am Tag ist gesund?
Eine allgemeingültige Zahl, ab der Knoblauch plötzlich „gesund“ wird, gibt es nicht.
Noch weniger gibt es eine bestimmte Anzahl von Zehen, die Krankheiten verhindert.
In normalen Lebensmittelmengen wird Knoblauch von den meisten Menschen gut vertragen. Wie viel davon angenehm ist, hängt aber auch von dir ab.
Gerade größere Mengen rohen Knoblauchs können Magen-Darm-Beschwerden verursachen.
Deshalb gilt auch hier: Viel hilft nicht automatisch viel.
Kann Knoblauch Nebenwirkungen haben?
Ja.
Dass Knoblauch ein Lebensmittel und eine Pflanze ist, macht ihn nicht nebenwirkungsfrei.
Beim Verzehr können unter anderem auftreten:
- Mund- und Körpergeruch
- Blähungen
- Bauchbeschwerden
- Sodbrennen
- Übelkeit
- allergische Reaktionen
Bei der äußerlichen Verwendung von rohem Knoblauch sind zudem starke Hautreizungen und Verbrennungen möglich.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen hoch dosierte Knoblauchpräparate. Nahrungsergänzungsmittel sind nicht mit der Knoblauchzehe gleichzusetzen, die du beim Kochen verwendest.
Knoblauch und Medikamente – wann solltest du vorsichtig sein?
Knoblauchpräparate können unter anderem die Blutungsneigung beeinflussen. Das kann beispielsweise relevant sein, wenn du gerinnungshemmende Medikamente einnimmst oder eine Operation bevorsteht.
Auch Wechselwirkungen mit bestimmten anderen Arzneimitteln sind möglich.
Wenn du Medikamente einnimmst und Knoblauch lediglich in üblichen Mengen zum Kochen verwendest, ist das eine andere Situation als die regelmäßige Einnahme hoch dosierter Knoblauchpräparate.
Möchtest du solche Präparate verwenden, solltest du mögliche Wechselwirkungen vorher mit deinem Arzt oder Apotheker besprechen.
Vor einer Operation solltest du medizinisches Personal ebenfalls darüber informieren, welche Nahrungsergänzungsmittel und pflanzlichen Präparate du einnimmst.
Knoblauchzehe, Hausmittel, Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel?
Diese Unterscheidung wird erstaunlich oft vergessen.
Knoblauch kann schlicht ein Lebensmittel sein.
Es gibt aber auch Nahrungsergänzungsmittel mit Knoblauch sowie pflanzliche Arzneimittel.
Und diese drei Dinge darfst du nicht einfach gleichsetzen.
Ein standardisierter Extrakt kann eine andere Zusammensetzung besitzen als frischer Knoblauch. Bei Knoblauchpulver entstehen andere Bedingungen als beim Zerdrücken einer frischen Zehe. Ein gereifter Extrakt enthält wiederum ein anderes Spektrum an Stoffen.
Deshalb lohnt es sich bei spektakulären Aussagen wie „Studien beweisen die Wirkung von Knoblauch“ immer, eine Frage zu stellen:
Was genau wurde in der Studie eigentlich untersucht?
Das macht einen erheblichen Unterschied.
Ist Knoblauch ein natürliches Antibiotikum?
Die Bezeichnung klingt griffig, ist aber irreführend.
Bestandteile des Knoblauchs zeigen in Laboruntersuchungen antimikrobielle Eigenschaften. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass eine Knoblauchzehe eine bakterielle Infektion im menschlichen Körper wie ein zugelassenes Antibiotikum behandeln kann.
Wenn eine bakterielle Erkrankung eine medizinische Behandlung erfordert, solltest du sie deshalb nicht durch Knoblauch ersetzen.
Du kannst deine Tomatensoße trotzdem ordentlich damit würzen.
Was kann Knoblauch als Hausmittel wirklich?
Knoblauch ist ein gutes Beispiel dafür, warum bei traditionellen Hausmitteln weder blinde Begeisterung noch pauschale Ablehnung besonders hilfreich ist.
Die Pflanze enthält interessante schwefelhaltige Verbindungen und wird seit langer Zeit zu gesundheitlichen Zwecken verwendet. Einige Wirkungsbereiche sind zudem Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.
Besonders zu bestimmten Knoblauchpräparaten und Risikofaktoren wie erhöhtem Cholesterin und Bluthochdruck gibt es Hinweise auf geringe positive Effekte.
Bei anderen beliebten Aussagen sieht es wesentlich dünner aus. Dass Knoblauch beispielsweise zuverlässig Erkältungen verhindert oder das Immunsystem kräftig „boostet“, lässt sich derzeit nicht überzeugend belegen.
Und manche traditionellen Anwendungen sind sogar problematisch. Roher Knoblauch auf der Haut kann schwere Reizungen verursachen. Knoblauch in der Nase ist ebenfalls keine besonders gute Idee.
Vielleicht ist gerade das die interessanteste Erkenntnis: Knoblauch muss keine Wunderknolle sein, um eine bemerkenswerte Pflanze zu bleiben.
Du kannst ihn anbauen, ernten, kochen und genießen. Und du kannst dich gleichzeitig dafür interessieren, warum Menschen ihn seit Jahrhunderten als Hausmittel verwenden.
Man muss eben nur unterscheiden können zwischen Tradition, plausibler Wirkung und wissenschaftlichem Nachweis.
Häufige Fragen zu Knoblauch als Hausmittel
Wofür wird Knoblauch als Hausmittel verwendet?
Traditionell wird Knoblauch unter anderem bei Erkältungsbeschwerden sowie im Zusammenhang mit Herz und Kreislauf verwendet. Daneben existieren zahlreiche Hausmittel gegen Haut- und Verdauungsbeschwerden. Nicht für alle diese Anwendungen gibt es ausreichende wissenschaftliche Belege.
Welche Wirkung von Knoblauch ist wissenschaftlich untersucht?
Besonders intensiv wurden Knoblauchpräparate hinsichtlich Cholesterin und Blutdruck untersucht. Es gibt Hinweise auf geringe positive Effekte bei Menschen mit erhöhten Ausgangswerten. Die Ergebnisse bestimmter Präparate lassen sich jedoch nicht automatisch auf frischen Knoblauch übertragen.
Hilft Knoblauch gegen Erkältung?
Knoblauch wird traditionell bei Erkältungen eingesetzt. Die klinische Studienlage reicht bislang jedoch nicht aus, um eine zuverlässige vorbeugende oder behandelnde Wirkung zu belegen.
Stärkt Knoblauch das Immunsystem?
Diese Behauptung ist verbreitet, die wissenschaftliche Evidenz dafür ist bislang jedoch begrenzt. Knoblauch kann Bestandteil einer abwechslungsreichen Ernährung sein, sollte aber nicht als garantierter „Immunbooster“ betrachtet werden.
Kann man rohen Knoblauch auf die Haut legen?
Davon ist abzuraten. Frischer roher Knoblauch kann starke Hautreizungen und sogar chemische Verbrennungen verursachen.
Kann Knoblauch Medikamente beeinflussen?
Vor allem bei Knoblauchpräparaten sind Wechselwirkungen möglich. Relevant ist unter anderem ein möglicherweise erhöhtes Blutungsrisiko in Verbindung mit Medikamenten, die ebenfalls die Blutgerinnung beeinflussen. Bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme solltest du hoch dosierte Knoblauchpräparate deshalb vorher ärztlich oder pharmazeutisch abklären.
Ist roher Knoblauch gesünder als gekochter?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Durch Schneiden oder Zerdrücken frischer Knoblauchzehen entstehen bestimmte schwefelhaltige Verbindungen. Erhitzen verändert verschiedene Inhaltsstoffe. Gekochter Knoblauch kann dafür besser verträglich sein. Eine allgemeine Regel „roh ist immer gesünder“ lässt sich daraus nicht ableiten.
Ist Knoblauch ein Ersatz für Medikamente?
Nein. Auch wenn Knoblauch und seine Inhaltsstoffe wissenschaftlich untersucht werden, sollte er eine medizinisch notwendige Behandlung nicht eigenmächtig ersetzen.
Die gesundheitlichen Kernaussagen des Artikels stützen sich vor allem auf die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und das National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH). Die EMA führt Allium sativum in den Bereichen Erkältung sowie Kreislauf; das NCCIH bewertet unter anderem die Forschung zu Cholesterin, Blutdruck, Erkältungen sowie die bekannten Risiken von oral und äußerlich angewendetem Knoblauch.

Als Kind habe ich noch gestöhnt, wenn ich im Garten meiner Eltern Unkraut zupfen musste. Heute bewirtschafte ich mit viel Leidenschaft den eigenen Garten. Und der besteht nicht nur aus Blumen, sondern eben auch aus zahlreichen Gemüsesorten für die Selbstversorgung.
Dabei probiere ich immer wieder neue Sorten und Anbaumethoden aus. Besonders der Knoblauch hat es mir angetan. Vieles, worüber ich auf **knoblauch-anbauen.de** schreibe, kenne ich aus eigener Erfahrung oder teile die Erfahrung von befreundeten Gärtnern. Schließlich wissen viele mehr als einer.
Mit meinem Blog möchte ich mein Wissen, meine Erfahrungen und natürlich auch das, was einmal nicht funktioniert hat, mit dir teilen.

